Editorial für das Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

Gründung des Deutschen Hautforschungszentrums

(In unserem Downloadbereich finden Sie das Editorial auch als pdf-Datei.)

Liebe Kollegen,

wir freuen uns, Sie heute über die Gründung des Deutschen Hautforschungszentrums (DHFZ) informieren zu können. Es handelt sich um eine noch sehr junge Initiative, die sich jedoch einige ehrgeizige Ziele  gesetzt hat.

Als Dermatologen wissen wir alle, dass Erkrankungen der Haut zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt gehören, weiter zunehmen und eine hohe psychosoziale Bedeutung haben. Viele Therapien wurden empirisch entwickelt, der Bedarf an besseren Therapiemöglichkeiten ist groß. Die Haut ist aber auch ein interessantes Modellorgan; einige Hauterkrankungen sind Modellerkrankungen. Durch die Aufklärung der molekularen Mechanismen von Erkrankungen der Haut werden jetzt erstmals gezielte Therapien möglich - die Einführung der Biologicals ist ein gutes Beispiel dafür. Da die Haut vergleichsweise leicht zugänglich ist, ist die Wirksamkeit neuer Therapien einfach und gut zu objektivieren. Als Grenzfläche zwischen Organismus und Umwelt ist die Haut zudem auch in hohem Maße geeignet, die Auswirkungen von sich wandelnden Einflüssen auf den Menschen zu untersuchen. Zusammengefasst: Forschung an der Haut ist wichtiger denn je! Gegenwärtig ist Deutschland auf den einzelnen Gebieten Dermatologie, Immunologie und Allergologie sowohl in der akademischen als auch in der industriellen Forschung durchaus wettbewerbsfähig und anerkannt, jedoch international nicht klar führend. Die Vernetzung der relevanten Teilgebiete ist bisher nur zu einem gewissen Grad erfolgt. Obwohl es gute Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Akademie gibt, ist diese insgesamt jedoch noch eher sporadisch. Es existiert ein hohes Synergiepotential, das jedoch noch nicht voll genutzt wird.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Gründung des DHFZ initiiert. Was sind unsere Ziele mit dieser Initiative? Prinzipiell geht es darum, die Erforschung von grundlegenden Kenntnissen zu Mechanismen von Erkrankungen der Haut zu fördern und so einen Beitrag zum besseren Verständnis und zu neuen Therapiemöglichkeiten in der Dermatologie, aber auch darüber hinaus zu leisten. Es soll eine enge Zusammenarbeit von ausgewiesenen Naturwissenschaftlern und Medizinern aus der Immundermatologie, zunächst fokussiert auf entzündliche und onkologische Erkrankungen der Haut, gefördert werden. Es geht um angewandte Forschung unter Verwendung moderner Technologien, die zu etablieren bzw. noch zu entwickeln sind. Die Aktivitäten bereits bestehender akademischer und industrieller Institutionen sowie die angewandte und Grundlagen- Forschung sollen besser vernetzt und die direkten und räumlich engen Kooperationsmöglichkeiten für eine patientenbezogene Forschung am Standort Berlin (Charité) genutzt werden. Das Deutsche Hautforschungszentrum will die Arbeit bereits existierender Forschergruppen unterstützen und langfristig möglichst sogar ein eigenes Forschungsinstitut am Standort Berlin/ Brandenburg schaffen. Modell ist dabei für uns das Deutsche Rheumaforschungszentrum (DRFZ) auf dem Gelände der Charité, welches schon vor einigen Jahren gegründet wurde und sich inzwischen zu einem „Leuchtturm in der Forschungslandschaft“ entwickelt hat. Langfristig sollen selbständige Arbeitsgruppen unter dem Dach des DHFZ zu einzelnen thematischen Schwerpunkten unter der Leitung von ausgewiesenen Wissenschaftlern ermöglicht werden. Dabei können die einzelnen Arbeitsgruppen permanent oder temporär angelegt werden. Die Arbeit soll in Projekten erfolgen, die bei Beginn und dann regelmäßig im Rahmen von Projektdurchsichten evaluiert werden. Das DHFZ strebt eine enge Vernetzung mit den akademischen und industriellen Forschungseinrichtungen am Standort Berlin an. In Abstimmung mit den lokalen klinischen Partnern sollen auch klinische Studien und der Zugang zu Patientenmaterial ermöglicht werden. Durch die Einbindung weiterer Institutionen / Arbeitsgruppen in Deutschland und anderen europäischen Ländern wird die Schaffung einer über das eigentliche DHFZ hinausgehenden „Virtuellen Institution“ angestrebt. Kooperationen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene sind gewünscht. Auf diese Weise soll letztlich eine führende Rolle in Deutschland, eine wichtige Rolle in Europa und eine internationale Spitzenposition erreicht werden. Aber noch bevor das DHFZ, zunächst als virtuelle, später  auch als physische Institution anfängt zu existieren, soll dermatologische Forschung gefördert werden. So beabsichtigen wir schon in diesem Jahr, einige Forschungsförderungspreise an in Deutschland tätige Arbeitsgruppen zu vergeben.

Das Deutsche Hautforschungszentrum ist eine gemeinnützige Stiftung des Privaten Rechts, die der Aufsicht durch die Senatsverwaltung für Justiz des Landes Berlin unterliegt. Ende Dezember 2006 wurde die Gründungsveranstaltung mit dem Wissenschaftlichen Beirat durchgeführt. Als Vorstände des DHFZ vertreten wir die Stiftung und verwalten sie. Wir werden dabei vom Wissenschaftlichen Beirat beraten und unterstützt. Wir freuen uns, dass wir herausragende Persönlichkeiten für den Wissenschaftlichen Beirat gewinnen konnten. Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats sind Prof. Dr. G. Stock (Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) als Vorsitzender, Prof. Dr. T. A. Luger (Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und Direktor der Universitätshautklinik Münster) als Stellvertreter sowie Prof. Dr. H. Gollnick (Alt-Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und Direktor der Universitätshautklinik Magdeburg), Prof. Dr. R. Metternich (Vice President and Basic Research Site Head, Merck & Co., Inc. Westhaven USA), Prof. Dr. H.-D. Volk (Direktor des Instituts für Medizinische Immunologie der Charité), Prof. Dr. U. Wahn (Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Immunologie der Charité) und Prof. Dr. J. Krutmann (Direktor des Instituts für umweltmedizinische Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf).

Wir freuen uns, dass es uns in den letzten Monaten gelungen ist, bereits einige finanzielle Mittel für das DHFZ von institutionellen Partnern (dabei sei insbesondere der Intendis GmbH als Stifterin gedankt) und Privatpersonen einzuwerben. Freunde und Förderer haben Ende des vergangenen Jahres in Potsdam einen gemeinnützigen Förderverein, den „Verein der Freunde und Förderer des Deutschen Hautforschungszentrums e.V.“, gegründet, dessen Vorsitz Frau Dr. C. Semmler, eine niedergelassene Dermatologin aus Potsdam, übernommen hat und zu dem auch prominente Mitglieder wie der Brandenburgische Altministerpräsident und Alt-Bundesverkehrsminister Dr. Manfred Stolpe gehören. Wir sind für diese Unterstützung sehr dankbar. Um die ehrgeizigen Ziele des DHFZ erreichen zu können, sind wir jedoch auf weitere Unterstützung angewiesen. Falls auch Sie sich hier engagieren wollen – worüber wir uns sehr freuen würden- empfehlen wir Ihnen einen Blick auf unsere Webseite: www.dhfz.eu (diese wird voraussichtlich ab End September freigeschaltet) oder aber den direkten Kontakt zu unserer Projektkoordinatorin Frau Silke Kühn, Deutsches Hautforschungszentrum DHFZ c/o Hautklinik der Charité, Charitéplatz 1, 10117 Berlin, Tel.: 030-468-14731, Fax: 030-468-192374, E-Mail: s.kuehn@dhfz.eu. Hier sind auch Informationen zu den Forschungspreisen zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

Prof. Dr. med. Khusru Asadullah             Prof. Dr. med. Wolfram Sterry

Vorstandsvorsitzender                           stellvertretender Vorstandsvorsitzender

 

Richmond (USA) und Berlin im Juli 2007

  

Den Artikel finden Sie im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2007, Heft 12, S. 1085 f. bzw.über diesen Link: JDDG 




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